
Als der in Argentinien geborene Produzent Marcos Steinel zum ersten Mal Minimal Techno hörte, hängte er sein Leben als DJ auf Ibiza an den Nagel und zog nach Berlin. Seitdem hat er an einer Vielzahl von Projekten gearbeitet, darunter eine bevorstehende Zusammenarbeit mitSCHLAF IST KOMMERZIELLSchwesterlabelWAS JETZT WIRD©unter dem AliasShacqDie
ARTtraktiv
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Man würde es von außen nicht vermuten, aber ARTtraktiv, ein unscheinbares, wohnlich anmutendes Gebäude in Lichtenberg, in dem Steinel sein Studio hat, beherbergt mehr Kreativität als so manche andere Stadt, die wir besucht haben. Es ist ein Ort, an dem Musik lebt und atmet, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Für Steinel verkörpert ARTtraktiv etwas, das keine andere Stadt außer Berlin zu bieten hat. MT traf ihn mitten im Arbeitstag und fand schnell heraus, dass der Wechsel von Balearic zu Minimal nicht Steinels erster Genrewechsel war.
Wie hast du mit dem Musizieren angefangen?
In meiner Kindheit in Argentinien entwickelte ich eine starke Leidenschaft für Musik und fragte meine Mutter, ob ich spanische Gitarre spielen dürfte. Sie lenkte mich jedoch eher in Richtung Rockmusik. So verbrachte ich meine Jugend damit, mit der billigsten E-Gitarre der Welt in einer Coverband namens „Siete Nudos“ aufzutreten. Jahre später, auf Ibiza, spielte ich mit einer richtigen Gitarre in einer Gruppe mit Niko Weaver (bekannt für seine Zusammenarbeit mit Prince). Niko brachte mir die Kunst der Improvisation und des spontanen Denkens bei. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, und ungefähr zur selben Zeit begann ich auch mit dem DJing.
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Erzähl uns etwas mehr über das DJing auf Ibiza.
Ich habe auf Ibiza viel gelernt. Anfangs legte ich mit rudimentärer Ausrüstung auf. Mein erstes Setup bestand tatsächlich aus einem CD-Player und einem Sony Ericsson-Handy, mit dem ich mixte. Schon bald verbesserte sich meine Ausrüstung, aber die Musik wurde von Jahr zu Jahr mainstreamiger und kommerzieller.
Und der Übergang nach Berlin?
Berlin bietet so viele Möglichkeiten. Man kann jeden Tag der Woche ausgehen und es ist immer etwas los. Und es ist viel entspannter. Auf Ibiza werden bekannte DJs von Sicherheitsleuten umgeben. Hier in Berlin sieht man sie direkt neben sich auflegen, aber die Leute interessieren sich mehr für die Musik, die Kultur oder die Szene als für einen bestimmten Namen. Die Szene ist auf Ibiza etwas anders, da wird sogar Salzwasser in die Toiletten gefüllt, damit man nicht aus den Waschbecken trinkt.

Hattest du schon mal einen Lieblingsmoment beim Ausgehen in einem Berliner Club?
Es gab schon so viele, aber meine Musik im Club der Visionäre zu hören, gehört definitiv zu den schönsten Erlebnissen!
Und abgesehen von den Partys?
Das kreative Klima in Berlin ist einzigartig. Ich hatte die Winter auf Ibiza satt, wo man leicht die Motivation verliert. Hier gibt es keine Pausen und keinen Grund, sich zu langweilen. Ich kenne zum Beispiel keinen besseren Ort, um modulare Synthesizer zu erwerben.
Ist es so etwas wie eine Sucht?
Absolut! Jedes Mal, wenn man sich ein modulares System kauft, bekommt man einen neuen Sound. Das macht richtig Spaß. Man kann den Sound ganz nach Belieben routen. Im Vergleich zur Gitarre gibt es keine Grenzen.
Erzählen Sie uns von Ihrem Raum
ARTtraktiv befindet sich in einem alten DDR-Krankenhaus. Hier kann man rund um die Uhr problemlos Musik hören. Und zwar so laut, wie man möchte.
Welche Auswirkungen könnte Music Traveler Ihrer Meinung nach haben?
Ich persönlich brauche dafür die Ruhe in meinem Studio. Das gilt für Produzenten, die zehn Stunden an einem Beat arbeiten, aber besonders für Musiker finde ich die Idee reizvoll. Und wenn man unterwegs ein Album abmischen muss, bietet das enormes Potenzial.
Wie sieht es mit den Möglichkeiten zum Testen neuer Geräte aus?
Klar! Gute Musik zu machen bedeutet, verschiedene Dinge auszuprobieren und Neues zu entdecken. Man muss herausfinden, welche Möglichkeiten funktionieren. Man muss verschiedene Geräte testen, um zu sehen, ob sie für einen selbst geeignet sind.
Was regt Ihre Kreativität an?
Komischerweise gehe ich gar nicht ins Studio! Wenn ich nicht jeden Tag dort bin, muss ich plötzlich wieder hin!
Was hat Sie zu Ihrer letzten Kreation inspiriert?
Irgendwie muss ich sagen, dass ich mich durch Corona viel entspannter fühle, der Druck ist geringer. Es ist inspirierender! Sonst ist Musikmachen nicht mehr so romantisch. Ich sehe es eher als etwas Mathematisches. Wenn man einen klaren Kopf hat, kann man mit neuen Sounds experimentieren und sich im Studio voll auf die Musik konzentrieren – und es funktioniert.
Entdecke den perfekten Ort zum Musikmachen in Berlin!
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