
Die Amazon Originalserie"Mozart im Dschungel"Die Serie hat mich seit ihrer Premiere vor fünf Jahren gefesselt. Ich war absolut begeistert von dem komödiantischen, magischen Realismus und dem absurden Humor der ersten Staffel und konnte mich an den Gastauftritten der echten Musikstars gar nicht sattsehen. (Erinnert sich noch jemand an Joshua Bell? Und an die Folge, in der Andrew Walsh Hailey in die Spielhalle mit den großen Solisten mitnimmt?) Nach vier Staffeln wurde die Serie leider von einem Amazon-Manager abgesetzt, der angeblich lieber aufwendigere Fernsehproduktionen realisieren wollte.

Die Produzenten orientierten sich bei der Fernsehserie an Blair Tindalls Memoiren „Mozart im Dschungel: Sex, Drogen und klassische Musik“. Die Hauptfigur basiert lose auf Tindall selbst: eine Oboistin, die während ihrer Engagements bei verschiedenen Orchestern in New York City um eine Karriere kämpft. Obwohl sie den Aspekt „Sex und Drogen“ des Titels durchaus aufgreift, geht Tindall in ihrer Serie vor allem den Problemen der klassischen Musikszene auf den Grund.Die geschäftliche Seite der klassischen MusikSie fordert eine Kürzung der Gehälter von Musikmanagern und erwähnt die Möglichkeit kürzerer Spielzeiten.

Im Vergleich zur Fernsehserie widmet Tindall etwa die Hälfte ihrer Memoiren dem Thema großer Orchester, ihrer Entwicklung und ihrer aktuellen finanziellen Lage. Sie spricht auch über Kunst und die Öffentlichkeit im Allgemeinen. Ich wusste beispielsweise nicht, dass der Industrielle Andrew Mellon seine 14 Millionen Dollar teure Privatsammlung (einst im Besitz von Katharina der Großen) zur Gründung der National Gallery of Art stiftete. Tindall weist darauf hin, dass eine Studie des Rockefeller Brothers Fund Folgendes ergab:
„Die Künste sind nicht nur für eine privilegierte Minderheit, sondern für die breite Masse da; ihr Platz ist nicht am Rande der Gesellschaft, sondern in ihrem Zentrum; sie sind nicht bloß eine Form der Erholung, sondern von zentraler Bedeutung für unser Wohlbefinden und unser Glück. Nach Ansicht des Gremiums wird dieser Status nicht allgemein erreicht werden, solange künstlerische Exzellenz nicht das ständige Ziel jedes Künstlers und jeder Kunstorganisation ist und Mittelmäßigkeit nicht als allgegenwärtiger Feind des wahren Fortschritts anerkannt wird.“
„Im Rockefeller-Bericht wurde nicht analysiert, wie die von ihm propagierten umfangreichen Kunstprogramme finanziert werden sollten“, fügt Tindall hinzu.
Verfasst von Melia Wong
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