Heute möchten wir hier im Blog von Music Traveler die Spannung zwischen unseren alten, vertrauten Musikstücken und aufregenden, neuen Stücken erkunden, die uns als Zuhörer aus unserer Komfortzone herausholen.
Genauso wie das Wiederholen eines Buches, das man schon oft gelesen hat, ist es beruhigend, immer wieder dieselbe Musik zu hören. Diese Musik, das Herzstück unserer persönlichen Playlists, ist oft Teil eines bestimmten Rituals: Ella Fitzgerald hören, während man sich für einen Abend fertig macht, oder unter der Dusche zu The Strokes abrocken. Immer wenn ich eine Hausarbeit schreibe, greife ich sofort auf bestimmte symphonische Werke zurück, wie zum Beispiel Jean Sibelius'Violinkonzert, Sergei ProkofjewsDrittes Klavierkonzertoder George GershwinsKlavierkonzert in FDas Tippen auf der Tastatur, das Vertiefen in die Auswahl der richtigen Worte und das Formulieren eines melodischen Satzes fallen mir viel leichter, wenn ich einen Soundtrack habe, der mich antreibt. Alte Lieblingslieder zu hören, ist wie sich in eine Decke aus vertrauten Klängen und Gefühlen einzuhüllen.
Neue Musik hingegen begeistert mich. Ich liebe Bands, die sich ständig weiterentwickeln und ihren Sound immer wieder neu erfinden. Das kann so einfach sein wie eine frische, tiefere Gesangsstimme (wie Two Door Cinema Club es mit den Singles ihres neuen Albums „False Alarm“ gemacht haben) oder etwas, das das Publikum wirklich herausfordert, sich auf etwas Neues einzulassen, etwa ein Song ohne Taktart oder mit wechselnden Tonarten.
Mein Musiklehrer in der High School sagte mir einmal, die Evolution der Musik sei im Grunde die Suche nach einem innovativen, noch nie gehörten Klang. Ich denke, das ist eine treffende Verallgemeinerung. Lange Zeit war Monophonie, also Musik mit einer einzigen Melodielinie, die gängigste Art, fast die gesamte westliche Vokalmusik zu schreiben. Als Polyphonie – also mehrstimmige Musik – aufkam, hielten viele sie für Sakrileg und glaubten nicht an ihren Erfolg. Heute ist es schwer, sich unsere Lieblingsvokalmusik ohne mehrere Stimmen vorzustellen. Natürlich begann alles einmal als „neue Musik“, und erst durch wiederholtes Hören lernen wir etwas zu lieben. Ich merke, dass ich mich bei rituellen Tätigkeiten wie dem Komponieren nach meinen alten, vertrauten Favoriten sehne. Wenn ich mich aber ganz dem Zuhören widmen kann, möchte ich immer Neues entdecken. Heute höre ich Yamadas funkelnde Musik.„Inno Meiji“-Symphonie, anstatt meiner üblichen Favoriten, Prokofjew und GershwinDie
Was denkst du? Hörst du immer wieder dieselben Musikstücke? Wie versuchst du, neue Musik in dein Leben zu integrieren? Welche neue Musik hast du in letzter Zeit entdeckt?
Verfasst von Melia Wong